Zeug*innenschaft als Widerstand
Kurdische Perspektiven auf Trauma und Gerechtigkeit10.00-20.00
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Ab 16 Jahren
auf Deutsch/auf Türkisch
Zeug*innenschaft als Widerstand: Kurdische Perspektiven auf Trauma und Gerechtigkeit.
Die Menschenrechtslage in der Türkei verschlechtert sich zunehmend. Die Zahl der Inhaftierten steigt rasant; im weltweiten Vergleich liegt die Türkei auf Platz sechs der Länder mit den meisten Gefangenen. Politische Gewalt, Inhaftierung und Repression treffen hierbei in besonderem Maße kurdische zivilgesellschaftliche Organisationen, Aktivist*innen und Politiker*innen.
Doch Gewalt und Entmenschlichung enden nicht an nationalen Grenzen. Auch in Deutschland finden viele kurdische Menschen keine Sicherheit. Die zunehmende Abschottungspolitik der EU auf Kosten rechtsstaatlicher Prinzipien und des Asylrechts lässt ohnehin niedrige Schutzquoten weiter sinken. Die Unsichtbarmachung kurdischer Perspektiven setzt sich auch in der Diaspora weiter fort: durch ausgrenzende Migrationspolitiken, mangelnde institutionelle und gesellschaftliche Anerkennung sowie ein Schweigen über erlebte Gewalt. Das öffentliche Benennen und Erinnern von Gewalt- und Widerstandserfahrungen wird in diesem Kontext zur politischen Praxis: Es schafft Sichtbarkeit, fordert Gerechtigkeit ein und widersetzt sich aktiv dem Vergessen. Vor diesem Hintergrund widmet sich der diesjährige Fachtag der politischen Praxis der Zeug*innenschaft. In der kritischen Traumaforschung wird sie nicht bloß als Wiedererzählung des Geschehenen verstanden, sondern als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, die durch widerständiges Erinnern, Teilen und Sichtbarmachen von Repression, Folter und kollektiven Traumata geschaffen wird.
Der Fachtag bringt kurdische Stimmen aus der Region und der Diaspora zusammen, die sich auf unterschiedliche Weise mit dieser Praxis befassen: medizinisch, therapeutisch, feministisch und juristisch. In Vorträgen, Workshops und Gesprächen wollen wir gemeinsam überlegen, welche Bedeutung Zeug*innenschaft in der psychosozialen Arbeit, im Exil und im internationalen Menschenrechtsdiskurs spielt – und wie wir diese Praxis auch hier in Deutschland stärken können. Die Referierenden, viele von ihnen extra aus Van (Wan) und Diyarbakır (Amed) angereist, geben Einblicke in ihre Arbeit mit Folterüberlebenden, in juristische Kämpfe um Anerkennung und in die erinnerungspolitische Arbeit der kurdischen Frauenbewegung.
Es finden drei Workshops statt:
Workshop 1: STAR-Frauenorganisation: Sichtbarkeit und Gerechtigkeit im Kontext sexualisierter Gewalt
Workshop 2: Alan Kurdi Initiative: Sichtbarkeit und Gerechtigkeit im Kontext des europäischen Migrationsregimes
Workshop 3: Organisation tba: Sichtbarkeit und Gerechtigkeit im psychotherapeutischen Setting
Workshop 4: Angriffe auf Sichtbarkeit - Auswirkungen der türkischen Drogenpolitik auf die kurdische Gesellschaft
Berfin Ayyildiz, Stadtverwaltung Diyarbakir (Amed)
Facilitators: IPPNW Deutschland; Arbeitskreis Menschenrechte BAfF e.V.