Know Your Rights!
Politische Bildung und Schule: Ein Tag der offenen Türen09.30-19.00
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Für Schüler*innen ab 14 Jahren und Erwachsene
auf Deutsch
In Deutschland lässt sich derzeit eine deutliche Verschiebung politischer Debatten nach rechts beobachten. Gleichzeitig nehmen viele eine zunehmende Repression wahr: im Umgang mit Protest, in öffentlichen Debatten und auch im schulischen Kontext. Hierzu gehören Themen Militarisierung, Staatsräson und Rassismus. Gerade in der Schule werden bestimmte Perspektiven wahlweise an den Rand gedrängt, beschwiegen oder bestraft. Besonders betroffen sind häufig rassifizierte Personen (Schüler*innen oder schulisches Personal) sowie jene, die sich solidarisch engagieren oder politische Kritik äußern. Was bedeutet das für Schule als politischen Ort, der staatlich reguliert ist? Der Workshop lädt dazu ein, diese Entwicklungen gemeinsam zu analysieren und zu diskutieren.
Wer kann sich wie äußern – und mit welchen Konsequenzen? Welche Erfahrungen gibt es mit Rassismus, Diskriminierung und Repressionen? Wie kann Schule für eine menschenrechtsorientierte Position einstehen? Was kann Schule von Schüler*innen und sie voneinander lernen? Wie können Pädagogen insbesondere Schüler:innen unterstützen?
Dieses eintägige Treffen von Schüler*innen und Schulpädagog*innen, Lehrer*innen, Jugendarbeiter*innen und Referent*innen der politischen Bildung in Berlin bietet Panels und explorative Workshops sowie einen intensiven Ideenaustausch.
Hier sollen die „unspoken heroes“ (unausgesprochene Held*innen) der täglichen Bildungsarbeit aller Bereiche zusammenkommen. Ebenso sollen existierende Initiativen von Schüler*innen vorgestellt werden. Ziel ist es, die sich verändernde politische, zunehmend repressive Lage zu analysieren und hiergegen gemeinsam vorgehen zu können.
Die Themen umfassen Stärkung durch Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen (welche Rechte und Pflichten rahmen Schule und pädagogisches Handeln. Was tun, wenn meine Rechte verletzt wurden?), machtkritische politische Analyse & Bildung, Know your Rights (Grundgesetz, Schulgesetz, Landesantidiskriminerungsgesetz u.a.) schulpolitische Organisationsmöglichkeiten in der Schule und schulübergreifend, Aufbau eines Netzwerkes für junge Menschen. Dieser Tag richtet sich an Schüler*innen, die politisch in der Schule aktiv sind oder es werden wollen, sowie an Pädagog*innen, die tagtäglich wichtige politische Bildungs- und Empowerment- Arbeit in Schulen und Jugendzentren leisten.
Spore Initiative und die Association of Palestinian and Jewish Academics (PJA)
Programm
9.30 – 10.00 Uhr | Begrüßung und Einführung Marc Siegel und Dana Abdel Fattah, Verein Palästinensischer und Jüdischer Akademiker*innen (PJA)
10.00 – 10.30 Uhr | Schule in Zeiten der Staatsräson - Diskussionsrunde mit Kawthar El-Qasem, Imad Mustafa, Aurelia Kalisky und Leyla Dakhli, moderiert von Jose Segebre mit Mitgliedern von PJA
10.30 – 11.00 Uhr | Kaffeepause
11.00 – 13.00 Uhr | Workshops / Fortbildungen:
Workshop 1: Schule und Anti-palästinensischer Rassismus
Offen für Alle
Dieser Workshop widmet sich insbesondere anti-palästinensischem Rassismus und seinen Erscheinungsformen in Bildungskontexten. Wir schaffen Raum, um anti-palästinensischen Rassismus zu verstehen, um Erfahrungen zu teilen, Mechanismen zu untersuchen und über diskriminierungskritische Handlungsmöglichkeiten zu sprechen. Das Ziel besteht darin, anti-palästinensischen Rassismus in der Schule zu erkennen und solidarische Gegenstrategien im Schulraum zu entwickeln.
Workshop 2: Gemeinsam Verstehen mit João Albertini & Mariela Nagle
Offen für Alle
Vielfalt ist unter gesellschaftlichen Druck geraten. Um aber weiterhin über Vielfalt sprechen und sie erfahrbar machen zu können, braucht es eine Methodik, die dies ermöglicht.
Um den Umgang mit gesellschaftlichen Positionierungen zu ermöglichen – selbstgewählten oder aufgezwungenen – braucht es Materialien und Erzählungen. Auch Ausschluss- und Teilhabemechanismen können so näher in den Blick genommen werden.
In diesem Workshop besprechen wir diese Themen anhand des Projektes Bilderbuchreise (inklusive graphic novels) der Spore Initiative und präsentieren Literatur für die Arbeit in der Schule.
Workshop 3: Shaping Narratives, mit Tactical Tech
Für Erwachsene (Pädagog*innen)
Der Workshop „Shaping Narratives“ regt dazu an, über die Bedeutung der Überprüfung von Schlagzeilen in Nachrichten nachzudenken, da diese unser Verständnis der Realität prägen können – insbesondere in einem datengesteuerten und technologiegestützten Informationsökosystem.
Der Workshop wird von Tactical Tech geleitet. Tactical Tech ist eine kreative, lokal und international tätige Organisation, die sich seit über zwei Jahrzehnten mit den gesellschaftspolitischen und ökologischen Auswirkungen von Technologie auf die Gesellschaft befasst. Sie unterstützt dabei, Technologien zu nutzen und zu meistern, um demokratische Werte und ein gesundes Informationsökosystem zu fördern.
13.00 Uhr | Gemeinsames Mittagessen für alle
14.00 – 15.30 Uhr | Workshops / Fortbildungen:
Workshop 1: Schule in Zeiten der Militarisierung
Debatten über Krieg und Aufrüstung machen auch vor Schulen nicht halt. Doch wie zeigt sich Militarisierung im Bildungsbereich konkret? In diesem Workshop beleuchten wir, wie militärische Narrative, Institutionen und Interessen Einfluss auf Schule nehmen – etwa durch Bildungsangebote, Berufsorientierung oder politische Diskurse. Gemeinsam reflektieren wir die Auswirkungen auf Schüler*innen und erarbeiten Ansätze für eine kritische und friedensorientierte Bildungspraxis.
Workshop 2: Einzel:Zerfall mit Isra Abdou
Für Jugendliche
So viele Einzelfälle, dass man sie kaum noch überblicken kann. Sie bilden ein dichtes Netz aus Wut, Angst und Schmerz. Die wenigen Lichtstrahlen, die ihren Weg durch diese Geschichten finden, tragen Hoffnung und Mut. Beim Workshop Einzel:Zerfall schaffen junge Menschen gemeinsam mit der Künstlerin Isra Abdou kollektiv ein Zine. Ziel ist es, die „Einzelfälle“, die keine sind, zu sammeln, zu überlagern und in ihrem Zerfall sichtbar zu machen.
Workshop 3: Adultismus
Offen für Alle
Adultismus gilt als die erste fundamentale Unterdrückungserfahrung und Form des Othering, die fast jeder Mensch in seinem Leben macht. Schon im Kindesalter erleben wir, wie Machtmissbrauch funktioniert und dass es ein „Oben“ (Erwachsene) und ein „Unten“ (Kinder) gibt. Diese Erfahrungen machen wir, bevor wir oft bewusst über Rassismus oder Sexismus nachdenken können.
Es wird vermittelt, dass es normal ist, wenn ältere Personen mehr Rechte haben und Entscheidungen über den Kopf von jüngeren hinweg treffen. Adultismus wird oft nicht als Diskriminierung erkannt, sondern als natürliche Ordnung („Erziehung“) verbucht, was ihn als erste Othering-Erfahrung besonders prägend macht. In diesem Workshop schaffen wir einen Raum für Selbstreflexion, Austausch und gemeinsames Lernen.
Workshop 4: Macht, Stimme und Ausdruck – Räume des Widerstands
Dieser Workshop richtet sich speziell an Schüler*innen und Studierende
Dieser Workshop befasst sich mit Fragen zu Macht, Unterdrückung und Meinungsäußerung im Alltag junger Menschen, insbesondere in der Schule, und stellt diese Erfahrungen in einen breiteren globalen Kontext wie beispielsweise den Genozid in Gaza. Unter Anwendung von Methoden des "Theater der Unterdrückten" nehmen die Teilnehmenden an interaktiven Übungen und Rollenspielen teil. Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Perspektiven, die Reflexion über Situationen von Schweigen oder Ungerechtigkeit sowie die Erforschung möglicher Handlungsansätze. Der Workshop schafft einen respektvollen Raum für Dialog, kritisches Denken und Empowerment.
15.30 – 16.00 Uhr | Kaffeepause
16.00 Uhr Diskussionsrunde: Vom Reden ins Handeln – Perspektiven für die Schule
Offen für Alle
17.00 Uhr Ausklang mit Infomaterial
Alle Workshops mit Anmeldung hier.
Bitte nennt den Workshop, an dem ihr teilnehmen wollt.