Verbindungen denkt über Beziehungsweisen als Dynamiken nach, die stets in Bewegung sind und erst durch ein Zusammenwirken mehrerer Akteur*innen, Ökosysteme und Praktiken entstehen. In manchen Arbeiten basiert Verbindung auf Gegenseitigkeit: der Wald als lebendige Kosmologie, die vom Verschwinden bedroht ist; eine Lebensweise, die in der Ethik dessen verwurzelt ist, nur das zu nehmen, was einem innerhalb saisonaler Rhythmen gegeben wird. In anderen nimmt Beziehung extraktivistische Züge an: Land und Boden, die klassifiziert, archiviert und verwaltet werden. Im Mittelpunkt steht stets die Frage, wie all diese beweglichen Teile unserer mehr-als-menschlichen Welt durch ein komplexes Netz gegenseitiger Abhängigkeiten miteinander verbunden sind: In welcher Verbindung stehen wir zu dieser Welt? 

 

Geologische Zeit zieht sich als Motiv durch die Ausstellung: Als Erinnerung daran, dass die Lebensdauer von Steinen und Mineralien die vermeintliche Selbstverständlichkeit industrieller Beschleunigung in Frage stellt, während der Körper sowohl biologische Zyklen als auch strukturellem Druck ausgesetzt ist. Anderswo folgen kollaborative Architekturen der Intelligenz der Materialien, anstatt Kontrolle auszuüben und zu entfremden.

 

Oberhalb des Raumes versetzt ein Komet diese Spannungen in einen kosmischen Maßstab und ruft uns ins Gedächtnis, dass Beziehungen auch gleichgültig und nicht zu greifen sein können.

 

Anstatt einer einzigen Erzählung zu folgen, bringt Verbindungen diese unterschiedlichen Positionen einander näher und lässt ihre Differenzen spürbar werden. Als Gruppenausstellung im Rahmen des umfassenderen Programms der Spore Initiative markiert sie einen Moment der Konzentration, in dem die Sammlung nicht als Akkumulation sichtbar wird, sondern als Denkfeld.

 

Zur Sammlung der Spore Initiative 

 

Die Sammlung existierte bereits vor der Gründung von Spore als Institution und öffentliche Plattform. Unter der Leitung der Mitgründer Hans Schöpflin und Osvaldo Sánchez begann sie mit einem Schwerpunkt auf Mittel- und Südamerika und erwarb Arbeiten bedeutender Künstler*innen, deren Praxis sich mit den wechselseitigen Beziehungen zwischen Land und Boden, Arbeit, Kosmologie, Natur und ökosozialer Gerechtigkeit befasst. Seit 2023 entwickelt sich die Sammlung unter der Leitung von Antonia Alampi in engem Dialog mit den langfristigen Kooperationen und besonderen Verpflichtungen von Spore weiter. Obwohl sie sich im institutionellen Besitz befindet, wird sie nach dem Prinzip der Verwaltung und nicht der Anhäufung betrieben. 

 

 

 

Foto credit: Nuestra Señora de las Iguanas (Our Lady of the Iguanas) von Graciela Iturbide