Pina wurde 2024 gegründet und ist ein gedruckter, tragbarer Ausstellungsraum. Es fungiert als Auftragsplattform und arbeitet mit Künstler*innen zusammen, um Ausstellungen zu schaffen, die ausschließlich auf den 60 Seiten jeder Ausgabe existieren. Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen und räumlicher Analysen, die im Rahmen einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit traditionellen Autoritäten der Nama und Ovaherero durchgeführt wurden, untersucht die Ausstellung die anhaltenden Auswirkungen kolonialer Gewalt anhand von drei Themen: die ideologischen Ursprünge des rassistischen Imperialismus; die Gestaltung von Konzentrationslagern; sowie die anhaltende Umweltzerstörung und Enteignung, von der Indigene Gemeinschaften bis heute betroffen sind. Indem es diese Fäden miteinander verknüpft, schließt sich Forensic Architecture der Sichtweise von Historiker*innen an, die die von den Kolonialmächten in „Deutsch-Südwestafrika“ entwickelte Infrastruktur des Völkermords als Vorläufer des von den Nazis verübten Holocaust betrachten.

 

A Counter-Archive lädt die Leser*innen ein, sich an einer dringenden Diskussion über die weiterreichenden Ursprünge des Völkermords und seine heutigen Ausprägungen, insbesondere in Palästina, zu beteiligen. Es leistet zudem einen Beitrag zur anhaltenden Forderung nach Landrückgabe und Reparationen in Namibia.

 

Forensic Architecture präsentiert an diesem Abend eine Lecture Performance über die Komplexität dieser mehrphasigen Untersuchung in Namibia sowie über die Herausforderungen bei der Arbeit mit Archivmaterial, das die damals begangene koloniale Gewalt nachstellt. Sie werden Einblicke in ihre Arbeitsmethoden geben und dabei auf die zentrale Rolle mündlicher Zeugnisse von Nachkommen der Überlebenden des Völkermords eingehen, die für die Rekonstruktion von Geschichten entscheidend sind, die von den westlichen Mächten im Laufe des 20. Jahrhunderts bewusst heruntergespielt und verzerrt wurden.