How The Soil Remembers
Das zweite Kapitel der Welto AusstellungÖffnungszeiten
donnerstags: 15:00-20:00
freitags: 15:00-20:00
samstags: 12:00-20:00
sonntags: 12:00-20:00
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für Kinder und Erwachsene
mehrsprachig
Mit Arbeiten von Annalee Davis; Kindern der École Clémence Caristan & Permactivie; Mawongany mit Kalma & Mycelionaires; dem Kollektiv The Gardens of Care mit Georgina Espasa; Zumunchi e.V. und Kweli e.V. mit João Albertini & Henrique Entratice; Thomias Radin; Álvaro Urbano
Tief unterhalb des heiligen Buschlands liegt das Erdreich.
Vermeintlich alltäglich und unbeachtet ist das Erdreich unter unseren Füßen ein Katalysator für Erinnerung und Leben. Böden–reich an Mineralien, Wasser, Sauerstoff sowie organischem und anorganischem Material–erhalten nicht nur unvorstellbar lebendige und komplex aufeinander abgestimmte Welten am Leben, sondern sind auch Zeug*innen zeitgeschichtlicher Stränge, die ganze Jahrzehnte wie kurze Augenblick wirken lassen. So erinnern sich die Erden der Karibik beispielsweise nicht nur an die Gewalt der Ausbeutung und Extraktion, sondern auch an die mühevolle Arbeit der Wiederherstellung.
Die Ausstellungen der Spore Initiative sind nie wirklich vorbei; sie gären, kompostieren und treiben mit der Zeit. Die Ausstellung How the Soil Remembers entwächst so aus dem Projekt Welto and the Sacred Bush, in welchem die komplexen Gartenökologien auf Martinique, die sich durch lokales Expert*innenwissen, Fürsorge und Resilienz auszeichnen, eine zentrale Rolle spielen. Dieses neue Kapitel nimmt nun die bereits entstandenen Begegnungen, Solidaritäten und unterschiedlichen Lesarten als Ausgangspunkt, um noch tieferliegende Zusammenhänge zu Tage zu fördern.
Vom heiligen Buschland graben wir uns in die Erdschichten darunter und erkunden den Boden als einen Organismus, der sich erinnert, der Schmerz verspürt und der über unendliche Vorstellungskraft verfügt. Im Boden leben toxische Gifte und die Beharrlichkeit heilender Gesten sowie das Wissen, das durch Pflanzen, Pilze, Geschichten und gemeinsame Praktiken weitergegeben wird, Seite and Seite.
Die in How the Soil Remembers vorgestellten Arbeiten vereinen Skulpturen, Installationen, Performances und kollektives Gestalten, um den Boden als lebendiges Archiv der Geschichte, der Zerstörung und der Fürsorge zu erkunden.
Die Arbeiten von Thomias Radin nehmen Bezug auf den Alltag und kulturellen Widerstand in Guadeloupe. Anhand von Skulpturen, spielbaren Trommeln und riesigen Dominosteinen denkt Radin über Wissen, das über Generationen weitergegeben wird, Erinnerung durch Musik sowie das Fortbestehen kolonialer Machtstrukturen unter vertrauten Oberflächen. Seine Werke adressieren das wechselseitige Verhältnis von kritischer Praxis und der historischen Auseinandersetzung mit Kontinuitäten durch klingende, haptische und spielerische Objekte.
Das kollaborative Theaterprojekt Invisible Gardeners Beneath the Leaves (z.Dt. Unsichtbare Gärtner*innen unter den Blättern) entstand aus einem Workshop von Zumunchi e. V. und Kweli e. V. unter der Leitung von João Albertini und Henrique Entratice. In Zusammenarbeit mit Kindern, Eltern und Senior*innen stellt das Projekt Reflexionen über Zyklen der Fürsorge, Veränderung und Zeit durch eine Auseinandersetzung mit Insekten an. Die dabei entstandenen Kostüme und szenografischen Elemente sind materielle Spuren eines kollektiven Prozesses, in dem das Wissen von Kindern im Vordergrund steht und die grundlegende Annahme einer Überlegenheit Erwachsener in Frage gestellt wird.
Die Installation von Álvaro Urbano nutzt Bananenblätter, um die widersprüchlichen Geschichten der Karibik zu vereinen: Plantagenwirtschaft, vergiftete Böden, koloniale Ausbeutung sowie Überlebenspraktiken und Methoden alltäglicher Kreativität. Die Arbeit reflektiert Urbanos Faszination für unvollendete Projekte und gebrochene Versprechen. Ruinen werden hier Orten, an denen man sich eine alternative, achtsamere Zukunft vorstellen kann.
Mawongany präsentiert im Rahmen der Ausstellung weniger ein Objekt, sondern einen organischen Prozess, innerhalb dessen Myzelien in Kollaboration mit Mycelionaires kultiviert werden und in Zusammenarbeit mit Kalma in eine neue Arbeit verwandelt werden. Das Projekt greift die Erfahrung des bain de marée auf, einer Heilmethode, die mit Gezeitenbewegungen, Regeneration und Erneuerung in Verbindung steht und setzt diese mit den Erneuerungszyklen und dem Wachstum von Pilzkulturen ins Gespräch.
Die Arbeiten lenken die Aufmerksamkeit auf das, was langsam wächst, was durch Hände und Körper weitergegeben wird und darauf, wie sich der Boden sowohl Schäden als auch die immerwährenden Prozesse der Widerherstellung einnert. How the Soil Remembers regt Besucher*innen dazu an, nicht nur unter eine, sondern unter viele Oberflächen zu blicken.
Das von Permactivie kultivierte Wissen über Pflanzen wandert durch Annalee Davis' Mandala und taucht wieder in den von Sol Undurraga gebauten Papiermaché-Wächtern auf, die von Zeichnungen der Kinder der École Clémence Caristan inspiriert wurden.
Gemeinsam mit Georgina Espasa sticken Frauen* der Stadtteilmütter Rollberg, der Schillerwerkstatt und des Yenkmal e. V. Heilpflanzen und persönliche Erinnerungen, um einen textilen Garten zu schaffen. Dieser spiegelt wider, wie sich Heilpraktiken, Düfte und Aromen verbreiten, anpassen und fortbestehen – selbst wenn das Land, auf dem sie entstanden sind, nicht mehr ist.
How the Soil Remembers verfolgt einen multiperspektivischen Ansatz, in dem unterschiedliche Positionen ein Netz aus geteilten Anliegen spinnen: Wie können Communities beschädigte Böden wiederherstellen? Wie wird Wissen von einer Hand zur nächsten weitergegeben? Wie kann Heilung trotz schwerer Bedingungen stattfinden? Wie kann Vorstellungskraft zu einem Werkzeug werden, um mit der Erde zu leben statt lediglich auf ihr?