Fractured Lifeworlds
Ovaherero und Nama im Kampf für Gerechtigkeit seit Generationen, für GenerationenÖffnungszeiten
dienstags geöffnet: 15:00-19:00
mittwochs geöffnet: 15:00-19:00
donnerstags geöffnet: 15:00-19:00
freitags geöffnet: 15:00-19:00
samstags geöffnet: 12:00-19:00
sonntags geöffnet: 12:00-19:00
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Für Kinder und Erwachsene
auf Deutsch/auf Englisch
Zwischen 1884 und 1915 verübten deutsche Kolonialtruppen Völkermorde an den Völkern der Ovaherero und Nama im heutigen Namibia. Ihre Nachfahren sowie das Land, das ihre Vorfahren bewohnten, leben noch immer mit dieser Geschichte: durch veränderte Lebensräume, geraubte Gebiete und strukturelle Diskriminierungen, die die Kolonialzeit um mehr als ein Jahrhundert überdauert haben.
Fractured Lifeworlds untersucht dieses Erbe.
Die Ausstellung, die über einen Zeitraum von vier Jahren von Forensis und Forensic Architecture in Zusammenarbeit mit Forscher*innen, Nachfahren der betroffenen Gemeinschaften, Oral-Historians, Indigenen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen in Namibia und Deutschland entwickelt wurde, beleuchtet das Erbe der brutalen deutschen Kolonialisierung Südwestafrikas (1884–1915) und zeichnet ein Bild der Lebenswelten der Vorfahren, die durch koloniale Gewalt verloren gingen.
Kapitel 2 | 10. Oktober – 24. Januar 2027 | Wind: Die Architektur eines Vernichtungslagers
Eine felsige Landzunge, die weit in den Atlantik hineinragt, war einst einer der ersten Ankerplätze europäischer Siedler*innen im Gebiet des heutigen Namibia. Nur wenige Jahre später wurde derselbe Ort zum ersten Vernichtungslager des 20. Jahrhunderts. Auf dieser kargen Felsformation, die einigen der stärksten Winde des südlichen Afrikas ausgesetzt ist, ermordete die deutsche Kolonialarmee rund 6.000 Nama und Ovaherero. Einige wurden hingerichtet, viele weitere ließ man schutzlos den extremen Witterungsbedingungen ausgeliefert sterben.
Heute unterstützen die deutsche und die namibische Regierung mit dem Hyphen Project ein groß angelegtes Vorhaben zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Die geplante Infrastruktur bedroht jedoch nicht gekennzeichnete Gräber von Opfern des Völkermords und wird die Umgebung von Shark Island, einen für Nama und Ovaherero bis heute zentralen Ort der Erinnerung und Trauer, dauerhaft verändern.
Mit dem Hyphen Project kehrt ausgerechnet der Wind als zentrale Ressource an diesen Ort zurück. Was heute als Teil einer „grünen Transformation” verhandelt wird, steht damit in unmittelbarer Beziehung zu einer Landschaft, die von kolonialer Gewalt und Genozid geprägt ist. Dass dies erneut auf Kosten des Kulturerbes der Indigenen Bevölkerung geschieht, verleiht dem Projekt eine besonders schmerzhafte historische Dimension.
Das zweite Kapitel von Fractured Lifeworlds präsentiert erstmals neue Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen des Hyphen-Projekts auf das ökologische und kulturelle Erbe der Region.
Fractured Lifeworlds zeigt, dass Namibia und die deutsche Kolonialgeschichte unverzichtbare Perspektiven aufzeigen, um gegenwärtige Konflikte, ökologische Krisen und unabgeschlossene Geschichtschreibungen, die die heutige Welt prägen, zu verstehen. Die in der Ausstellung aufgezeigten Kontinuitäten fügen sich ein in größere Zusammenhänge von Krieg, Völkermord, Siedlerkolonialismus, auf Technologie gestützten Extraktivismus und dem Erstarken autoritärer und faschistischer Politik.
Indem die Ausstellung untersucht, wie koloniale Gewalt, Enteignung, Völkermord, Rohstoffraub und Umweltzerstörung historisch und in der Gegenwart miteinander verflochten sind, versucht sie aufzuzeigen, wie diese Wunden nach wie vor offen sind.
Mithilfe von räumlichen Analysen, Satellitenbildern, Umweltmodellierungen, Archivrecherchen und digitalen Rekonstruktionen untersucht Fractured Lifeworlds, wie Projekte im Bereich der sogenannten „grünen Energie“ koloniale Kontinuitäten reproduzieren. Hierbei liegt ein besonderer Fokus auf den Spannungen zwischen den Narrativen der „grünen Wende“ und ungelösten kolonialen Ungerechtigkeiten.
Kapitel
Fractured Lifeworlds erstreckt sich über drei Kapitel – Busch, Wind und Sand –, die jeweils einen Aspekt der namibischen Landschaften widerspiegeln und einen anderen Forschungsschwerpunkt innerhalb des Kooperationsprojekts hervorheben.
Das erste Kapitel beginnt in den Buschlandschaften des namibischen Landesinneren, wo Vertreibung und Widerstand die frühen Phasen der Völkermorde prägten. Im Verlauf der Kapitel verlagert sich der Schwerpunkt der Ausstellung auf die Küstenregion der Namib-Wüste, wo deutsche Kolonialtruppen das Klima der Region als Waffe einsetzten, um die Ausrottung ihrer Bewohner*innen voranzutreiben.
Jedes Kapitel präsentiert Beiträge namibischer Künstler*innen, die auf den jeweiligen thematischen Schwerpunkt reagieren und so einen Dialog zwischen künstlerischer Praxis und investigativer Forschung eröffnen.
Fractured Lifeworlds versammelt Künstler*innen wie Tuli Mekondjo, Vitjitua Ndjiharine, Nesindano Namises, Marcelo Brodsky und Marco Freivogel.
Das Ziel dieses Projekts ist es, internationale Solidarität zu fördern und die von der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), der Ovaherero Traditional Authority (OTA) und der Okandjoze Chiefs Assembly on Genocide (OCAG) artikulierten Forderungen nach Anerkennung, kulturellem Schutz, Bildung und Reparation zu unterstützen. Damit knüpft sie an die Ausstellung „Inherited Testimonies“ derselben Koalition in der National Art Gallery of Namibia (NAGN) in Windhoek an.
Credits:
Forensis, Forensic Architecture und Spore Initiative
Nama Traditional Leaders Association
Ovaherero Traditional Authority
Okandjoze Chiefs Assembly on Genocide
Swakopmund Genocide Museum
Diese Ausstellung und das begleitende öffentliche Programm wurden freundlicherweise von Medico International und der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt.