Eine Untersuchung geschlechtsspezifischer Gewalt
Ansätze einer feministischen Gegenforensik – ein öffentliches Gespräch19.30-22.00
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Für Erwachsene
auf Englisch
Feministische Bewegungen haben über Jahrzehnte hinweg Wissen und Methoden entwickelt, die unseren Blick auf Gewalt grundlegend verändert haben. Sie haben dafür gekämpft, dass unterschiedliche Formen von Gewalt anerkannt werden und nicht nur bestimmte Belege als gültig gelten. Sie haben das Erfahrungswissen von Betroffenen ins Zentrum gerückt, gängige Vorstellungen von Glaubwürdigkeit und Objektivität infrage gestellt und aufgezeigt, wie Gewalt mit Beziehungen, Institutionen und gesellschaftlichen Strukturen zusammenhängt. Zugleich haben sie die ethischen und politischen Fragen aufgeworfen, die sich stellen, wenn Gewalt dokumentiert und dargestellt wird.
In zwei miteinander verbundenen Formaten gehen wir der Frage nach, wie investigative Arbeit feministische Kämpfe gegen geschlechtsspezifische Gewalt unterstützen kann. Was müssen wir anders untersuchen, wenn wir uns an den Anliegen dieser Kämpfe orientieren? Wie gehen wir dabei vor und wem kommt diese Arbeit zugute?
Ein geschlossener Workshop und ein öffentliches Gespräch bringen feministische Perspektiven auf Gewalt mit gegenforensischen Ansätzen zusammen, die unter anderem mit Bildern, Räumen, digitalen Spuren, Zeug*innenaussagen und Archiven arbeiten. Wir fragen, welche Möglichkeiten diese Ansätze eröffnen, um geschlechtsspezifische Gewalt und ihre gesellschaftlichen Zusammenhänge zu untersuchen. Wir analysieren auch, welche Vorstellungen von Gewalt, Beweisen und Aufklärung dabei selbst auf den Prüfstand gehören.
Die Veranstaltung richtet sich an feministische und queere Aktivist*innen, Forschende, Jurist*innen, Künstler*innen, Menschen aus der investigativen Praxis und alle, die sich für diese Fragen interessieren. Wie können Untersuchungen über die Rekonstruktion einer konkreten Tat hinausgehen und die historischen Entwicklungen und fortbestehenden Verhältnisse in den Blick nehmen, die Gewalt ermöglichen und aufrechterhalten? Wie lässt sich neben einzelnen Täter*innen auch die Verantwortung von Institutionen und anderen Akteur*innen untersuchen, die Gewalt ermöglichen oder begünstigen? Wie können wir infrage stellen, dass visuelle Belege als besonders verlässlich gelten? Und wessen Erfahrungen und Wissensformen geraten an den Rand, wenn nur das Sichtbare als glaubwürdig anerkannt wird? Wie lässt sich Gewalt darstellen, ohne Frauen und LGBTI+ Menschen auf die Rolle von Opfern zu reduzieren oder Gewalt als ihr unausweichliches Schicksal erscheinen zu lassen? Was würde es bedeuten, ihre Leben, Wünsche, Entscheidungen und Kämpfe ins Zentrum der Untersuchungen zu rücken?
Das öffentliche Gespräch macht diese Fragen anhand konkreter Fälle und theoretischer Ansätze einem breiteren Publikum zugänglich. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Gewalt gegen Geflüchtete und Migrant*innen in Libyen, Femi(ni)zide in Griechenland, das gewaltsame Verschwindenlassen kurdischer Frauen in der Türkei sowie sexuelle und häusliche Sklaverei im Fall Sepur Zarco in Guatemala. Anhand dieser Beispiele wollen wir diskutieren, wie investigative Arbeit feministische Kämpfe unterstützen kann, wessen Wissen dabei Gehör findet und wie sich Beweise und Darstellungsweisen anders denken lassen.
Fachkenntnisse in Forensik sind nicht erforderlich. In den Gesprächen geht es um geschlechtsspezifische Gewalt; niemand wird aufgefordert, persönliche Erfahrungen zu teilen.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit von antenna laboratories, Forensis, Forensic Architecture und dem Centre for Research Architecture.