Unter dem Titel Rooted in Agency and Resilience, United in Justice kommen an diesem ersten Tag Wissenschaftler*innen, traditionelle Autoritäten aus Namibia und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammen, um sich mit 122 Jahren lebender Ovaherero-Geschichte auseinanderzusetzen. Kuratiert wird das Programm von Nandiuasora „Nandi“ Mazeingo, dem Vorsitzenden der OGF, und Prince Kamaazengi Marenga, dem Chief Coordinator for Ovaherero Reparative Justice.

 

Im Mittelpunkt stehen nicht nur die Gewalt und die Bedingungen des Überlebens während des Völkermords, sondern auch die Geschichten von Flucht, Exil und diasporischem Weiterleben. Wie wirkten sich Land- und Viehenteignungen auf gesellschaftliche Strukturen und politische Selbstbestimmung aus? Wie entstanden über Grenzen hinweg neue Gemeinschaften und Formen des Wiederaufbaus? Und welche Wege zu Anerkennung und restitutiver Gerechtigkeit werden heute verfolgt?

 

Diese Fragen führen unmittelbar in die Gegenwart. Gemeinsam mit Menschen, die sich seit vielen Jahren für Anerkennung und Gerechtigkeit einsetzen, richtet das Programm den Blick auch auf die politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Namibia und Deutschland, insbesondere auf das sogenannte deutsch-namibische Versöhnungsabkommen.

 

Der 10. Oktober verbindet Gespräche und Paneldiskussionen mit kulturellen Praktiken der Ovaherero, Gebeten, Poesie und Musik. Über den gesamten Tag hinweg kommen historische Überlieferung, gegenwärtige politische Kämpfe und unterschiedliche Formen des Erinnerns miteinander ins Gespräch.

 

 

Programm

 

09:30 – Begrüßung und Eröffnung 

Ovaherero-Gebete und spirituelle Praktiken unter der Leitung religiöser Autoritäten. Anschließend eröffnet Prince Kamaazengi Marenga den Tag mit einem Gedicht.

 

10:00 – Panel: 122 Jahre lebendige Geschichte und Überleben über Grenzen hinweg 

Eine historische Einführung in die Geschichte der Ovaherero und in Formen des Erinnerns, Weiterlebens und gesellschaftlichen Fortbestehens über Generationen hinweg.

 

11:00 – Panel: Exil, Diaspora und Wiederaufbau über Grenzen hinweg 

Flucht und Vertreibung führten viele Ovaherero in benachbarte Gebiete und weit über die Grenzen des damaligen Deutsch-Südwestafrika hinaus. Das Panel beschäftigt sich mit der Entstehung diasporischer Gemeinschaften und mit den Strategien, durch die soziale Strukturen, Beziehungen und Formen kollektiven Lebens unter den Bedingungen des Exils weitergeführt und neu aufgebaut wurden.

 

12:00 – Panel: Durch die Wüste, in Lager und Zwangsarbeit 

Im Zentrum stehen die unmittelbaren Bedingungen des Überlebens während des Völkermords: die Flucht durch die Kalahari in britisch und portugiesisch kontrollierte Gebiete des heutigen Angola, Botswana, Simbabwe und Südafrika ebenso wie Internierung, Konzentrationslager und Zwangsarbeit in Windhoek, Okahandja, Omaruru, Omburo, Karibib, Swakopmund und auf Shark Island.

 

13:00 – MITTAGSPAUSE

 

14:00 – Panel: Enteignung, Exil und der Verlust von Souveränität 

Die Enteignung von Land und Vieh, Vertreibung und Exil veränderten die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Grundlagen des Ovaherero-Lebens tiefgreifend. Das Gespräch zeichnet diese Folgen nach: vom massiven Bevölkerungsverlust und der Zerstörung bestehender Strukturen bis zu Formen der Marginalisierung, die bis in die Gegenwart reichen.

 

15:30 – Panel: Nach dem Genozid – der Kampf um restitutive Gerechtigkeit 

Welche politischen und juristischen Wege werden beschritten, um Anerkennung und restitutive Gerechtigkeit für den Genozid an den Ovaherero einzufordern? Das Panel stellt unterschiedliche Strategien, rechtliche Ansätze und gegenwärtige Auseinandersetzungen vor.

 

16:30 – Panel: Die gemeinsame Erklärung und ihr Nachtrag 

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem sogenannten deutsch-namibischen Versöhnungsabkommen sowie seinem Nachtrag. Das Panel beleuchtet Entstehung, politische Konsequenzen und die Kritik der betroffenen Gemeinschaften.

 

17:30 – Musik und kulturelle Praxis der Ovaherero 

Musik und kulturelle Darbietungen greifen historische Erinnerungen an den Genozid auf und bringen sie mit Perspektiven der angereisten Delegation zusammen. Im Anschluss öffnet sich der Raum für Austausch und Gespräch.

 

18:00 – Abschluss 

Zum Ende des Tages richtet sich der Blick auf die kommenden politischen Schritte: auf die parlamentarische Arbeit in Deutschland und auf die koordinierten Bemühungen um die offizielle Anerkennung des Genozids an den Ovaherero und um restitutive Gerechtigkeit im Deutschen Bundestag.