Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und Perspektiven, aus denen die Ausstellung hervorgegangen ist. Fractured Lifeworlds entstand über einen Zeitraum von vier Jahren in Zusammenarbeit von Forensis und Forensic Architecture mit Forscher*innen, Nachkommen, Oral Historians, Indigenen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen in Namibia und Deutschland.

 

Die Eröffnung ist Teil eines zweitägigen Programms, das gemeinsam mit der OGF und der NTLA entwickelt wurde.

 

Das ausführliche Programm für den 11. Oktober veröffentlichen wir hier in Kürze.

 

Kapitel 2 | Wind: Die Architektur eines Vernichtungslagers

 

Eine felsige Landzunge, die weit in den Atlantik hineinragt, war einst einer der ersten Ankerplätze europäischer Siedler*innen im Gebiet des heutigen Namibia. Nur wenige Jahre später wurde derselbe Ort zum ersten Vernichtungslager des 20. Jahrhunderts. Auf dieser kargen Felsformation, die einigen der stärksten Winde des südlichen Afrikas ausgesetzt ist, ermordete die deutsche Kolonialarmee rund 6.000 Nama und Ovaherero. Einige wurden hingerichtet, viele weitere ließ man schutzlos den extremen Witterungsbedingungen ausgeliefert sterben.

 

Heute unterstützen die deutsche und die namibische Regierung mit dem Hyphen Project ein groß angelegtes Vorhaben zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Die geplante Infrastruktur bedroht jedoch nicht gekennzeichnete Gräber von Opfern des Völkermords und wird die Umgebung von Shark Island, einen für Nama und Ovaherero bis heute zentralen Ort der Erinnerung und Trauer, dauerhaft verändern.

 

Mit dem Hyphen Project kehrt ausgerechnet der Wind als zentrale Ressource an diesen Ort zurück. Was heute als Teil einer „grünen Transformation” verhandelt wird, steht damit in unmittelbarer Beziehung zu einer Landschaft, die von kolonialer Gewalt und Genozid geprägt ist. Dass dies erneut auf Kosten des Kulturerbes der Indigenen Bevölkerung geschieht, verleiht dem Projekt eine besonders schmerzhafte historische Dimension.

 

Das zweite Kapitel von Fractured Lifeworlds präsentiert erstmals neue Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen des Hyphen-Projekts auf das ökologische und kulturelle Erbe der Region.