Der Fokus verschiebt sich vom heiligen Busch hin zum Boden darunter: Erde als Trägerin von Erinnerung, Verletzung und Vorstellungskraft. Der Boden erinnert sich an Extraktion und Gifte, an die Arbeit der Reparatur, an die Beharrlichkeit heilender Gesten sowie an Wissensformen, die durch Pflanzen, Pilze, Geschichten und geteilte Praktiken weitergegeben werden.

 

Innerhalb dieser erweiterten Ökologie verweben sich Arbeiten und Prozesse aus unterschiedlichen Kontexten miteinander. Pflanzenwissen, das von Permactivie kultiviert wird, wandert durch Annalee Davis’ Mandala und taucht erneut auf in den Pappmaché-Wächterfiguren von Sol Undurraga, geformt nach Zeichnungen der Kinder der École Clémence Caristan. Experimente der Fürsorge und Regeneration entfalten sich in Mawonganys Pilzkultivierung mit den Mycelionaires, nun ergänzt durch eine audiovisuelle Umgebung, die gemeinsam mit Kalma entwickelt wurde.

 

Frauen* von Stadtteilmütter Rollberg, der Schillerwerkstatt und Yekmal e.V. sticken – begleitet von Georgina Espasa – Heilpflanzen und persönliche Erinnerungen. So entsteht ein textiler Garten, der reflektiert, wie Heilpraktiken, Düfte und Geschmäcker wandern, sich anpassen und fortbestehen, selbst wenn das Land selbst nicht mehr präsent ist. Durch das kollaborative Theater, entwickelt mit Zumunchi e.V. und Kweli e.V. gemeinsam mit João Albertini und Henrique Entratice, entstehen Insekten-Wächter als Perspektiven, durch die Kinder, Eltern und ältere Menschen imaginieren, wie sich ökologisches Leben über Jahreszeiten und Geografien hinweg verändert.

 

Arbeiten von Thomias Radin und Álvaro Urbano treten als weitere Echos in diese Konstellation ein: Reflexionen über Geschichten, die in Körpern und Landschaften eingeschrieben sind, über die Fragilität und Widerstandskraft von Terrains, geprägt von Monokultur, Bewegung und unabgeschlossenen Welten.

 

Anstatt ein einzelnes Thema zu illustrieren, teilen diese Beiträge Fragestellungen, die unter ihren Oberflächen verlaufen: Wie sorgen Gemeinschaften für geschädigte Böden? Wie wird Wissen von Hand zu Hand weitergegeben? Wie wird Heilung unter Bedingungen von Einschränkung praktiziert? Und wie wird Imagination zu einem Werkzeug, um mit dem Land zu leben – statt über ihm?