Bäume, Erde und Wasser als Zeug*innen
Die ökologischen Folgen der russischen und sowjetischen Kolonialpolitik13.00-17.00
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Für Erwachsene
auf Englisch
Seit Jahrhunderten zerstört der russische Kolonialismus die Ökosysteme der Gebiete, die er besetzt hält; die Sowjetzeit war darin keine Unterbrechung, sondern eine Fortsetzung. Im Krieg gegen die Ukraine erreicht diese Zerstörung heute das Ausmaß eines Ökozids. Drei Kollektive – Asians of Russia, de_colonialanguage und Beda.media – widmen dem Thema einen ganzen Tag. Ausgangspunkt ist ein Buch, das gerade erschienen ist.
Trees, Soil, and Water as Witnesses: The Environmental Consequences of Russian and Soviet Colonial Policies kam im Juli 2026 bei Beda.media heraus, mit Unterstützung von oi publishing. Der Band versammelt Essays zu den Ökologien von O'zbekiston, Qazaqstan, Moldova, Armenien, der Niederung von Palessie, die sich über Belarus und die Ukraine erstreckt, der Republik Tuwa und der Nogai-Steppe im heutigen Russland. Sie zeigen, wie koloniale Herrschaft funktioniert und welche Spuren sie in den Landschaften, im Klima und bei den dort lebenden Menschen hinterlässt.
Die Beiträge erzählen von geheimen Atomtests, von vergiftetem Wasser, von Bergbau, von Seen, die man für die Baumwolle trockenlegte, und von der Zerstörung Indigener Lebensweisen, Sprachen, Kulturen und Weltentwürfe. Vorangetrieben hat all das die Sowjetunion, um ihre Überlegenheit gegenüber dem Kapitalismus zu beweisen. Für Indigene Gemeinschaften liefen Sozialismus und Kapitalismus jedoch auf dasselbe hinaus: eine „Modernisierung“ und „Zivilisierung“, bei der es nie um Verständnis oder ein Nebeneinander ging, sondern immer um Unterwerfung.
Das Programm umfasst ein Gespräch mit den Herausgeber*innen und Autor*innen samt Fragerunde, eine Diskussion mit dem Mitbegründer von „Asians of Russia” über die ökologische Lage in Nordasien, ein Kochritual sowie die Möglichkeit, das Buch zu erwerben.
Programm
13:00–14:00
Batlay Matenov
Forests for Sale: Colonial Extraction and the Global Timber Trade in Eastern Siberia
Batlay Matenov ist burjatischer Aktivist und Mitbegründer von Asians of Russia, einem unabhängigen Medienprojekt zu den Indigenen Völkern und den nationalen Republiken Russlands. Er arbeitet mit internationalen Menschenrechtsorganisationen und Fachgremien zusammen und ist regelmäßig bei Veranstaltungen der Vereinten Nationen und der OSZE zu hören.
In seinem Vortrag geht es um den großflächigen Kahlschlag in Ostsibirien, vor allem in Burjatien, der Oblast Irkutsk und der Region Transbaikalien. Wer verdient an der Holzwirtschaft? Warum gilt die Region bis heute als billiger Rohstofflieferant? Und was kostet dieses Modell die Menschen und die Landschaft vor Ort? Matenov verfolgt dabei auch den Weg des Holzes über China auf die Weltmärkte bis nach Europa und zeigt, wie sehr die internationale Nachfrage dieses System trägt.
14:00–15:00
Kochritual mit Adiba, auf Spendenbasis
Adiba ist Forscherin und Künstlerin, kommt aus Almaty und lebt in Berlin. In ihrer Arbeit geht es um Zugehörigkeit, um Trauma und Tod und um das, was Essen an Erinnerung mit sich trägt. Für diesen Tag hat sie eine eigene Kochzeremonie vorbereitet.
15:00–16:00
Buchpräsentation und Lesung mit Autor*innen des Bandes
- Caterina Pîslari: Über die Entstehung von Trees, Soil, and Water as Witnesses, über kollektives Lektorat, Gestaltung und Verlegen
- Vitalie Sprînceană: Man, Nature and Economy in Soviet Socialism: The Ialpug-Taraclia Irrigation System
- Julietta (Dzhulyetta) Grigoryan: Chasing the Tail: Towards Ways of Exploring Mining Memory
- Alisher Khassengaliyev: The Steppe Remains: Memory, Responsibility, and the Practice of Nuclear Justice
16:20–17:00
Gespräch zwischen Asians of Russia, de_colonialanguage, Beda.media und den Autor*innen über anti- und dekoloniale Solidarität über Grenzen hinweg