Gastronativismus: Essenskultur und Identitätspolitik in der neuen Weltordnung
Vortrag18.30-20.30
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für Erwachsene
auf Englisch
Der Esstisch verbindet und trennt zugleich. Er bringt jene zusammen, die eingeladen sind, und schließt jene aus, die es nicht sind. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir verstärlt die Verbreitung des Gastronativismus erlebt: den ideologischen Einsatz von Essen in der Politik, um zu bestimmen, wer einer Gemeinschaft angehört und wer nicht. In Zeiten populistischer Bewegungen, Souveränismus und geopolitischer Neuausrichtungen hat dieses Phänomen an Bedeutung und Schärfe gewonnen, denn Essen ist zu einem mächtigen Identitätssymbol geworden.
In diesem Vortrag stellt Fabio Parasecoli das Konzept des Gastronativismus vor und zeichnet dessen Verbindungen zur zeitgenössischen Geopolitik nach.
Die italienische politische Rechte empörte sich über Halal-Tortellini und schweinefreie Lasagne, die im Vatikan serviert wurden. Europäische Politiker*innen, die sich gegen Migration stellen, wettern gegen Couscous und Kebab. In den USA sind Burger zum Schauplatz politischer Debatten über amerikanische Identität und Klimawandel geworden. In Indien organisieren hinduistische Fundamentalisten Angriffe auf muslimische Händler*innen, die Rindfleisch verkaufen.
Angesichts einer Globalisierung, die gewachsene Ernährungskulturen bedroht, haben viele Menschen begonnen, nach ihren "Wurzeln” zu suchen – was mitunter nationalistischen und fremdenfeindlichen Bewegungen in die Hände spielt. Doch Gastronativismus ist nicht per se ausgrenzend. Manchmal, etwa im Fall von Slow Food oder der Bewegung für Ernährungssouveränität, dient der Stolz auf lokale Produktion und kulinarische Traditionen als Widerstand gegen transnationale Konzerne, als Stärkung marginalisierter Gruppen und als Stimme für jene, die von der Globalisierung zurückgelassen wurden.