Chahines Reaktion auf die Niederlage zeigt sich deutlich in seinen nachfolgenden Filmen Die Wahl (1971), Der Spatz (1972) und Die Rückkehr des verlorenen Sohnes (1976). Diese Filme untersuchen die Ursachen und Folgen eines kollektiven Traumas. Anstatt eine einfache politische Diagnose zu liefern, erforschen sie, welche Auswirkungen die Niederlage auf das Privatleben, die persönliche Identität und den künstlerischen Ausdruck hat.

 

In Chahines Kino wird die politische Katastrophe somit zum Katalysator für Selbstreflexion und Neuerfindung. Danach wandte sich Chahine zwei zentralen filmischen Themen zu: Erstens erzählte er seine eigene Geschichte in autobiografischen Filmen wie der Alexandria-Trilogie und Eine Ägyptische Geschichte neu. Zweitens beschäftigte er sich in Adieu Bonaparte, Der sechste Tag, Der Immigrant und Das Schicksal erneut mit der Geschichte.

 

Anlässlich des hundertsten Geburtstags von Chahine reflektiert dieses Panel über die Beziehung zwischen Niederlage und Transformation im Kino, in der künstlerischen Praxis und in der persönlichen Erinnerung. Wie prägt politische Niederlage kreative Stimmen neu? Wie verarbeiten Filmemacher*innen kollektives Trauma durch das Erzählen von Geschichten? Was kann uns Chahines Werk darüber lehren, wie wir heute mit Niederlagen umgehen?

 

Viola Shafik, eine ägyptisch-deutsche Filmemacherin, Autorin und Theoretikerin, sowie der palästinensische bildende Künstler Essa Grayeb werden mit uns darüber diskutieren. Beide haben eine persönliche Verbindung zum filmischen Erbe von Youssef Chahine.

 

Moderiert wird die Podiumsdiskussion von Hosam Fahmy, einem Filmkritiker und Psychiater.

 

Die Podiumsdiskussion steht Festivalbesucher*innen, Chahine-Fans und allen, die mehr über ihn erfahren möchten, offen. Vor allem aber richtet sie sich an all jene, die trotz Niederlagen versuchen zu überleben. 

ALFILM Festival  
 

Mit mehr als 60 Filmen an zehn verschiedenen Orten in Berlin ist dies die größte Ausgabe von ALFILM in der Geschichte des Festivals. ALFILM präsentiert in seinen zwei Programmsektionen eine sorgfältig kuratierte Auswahl an aktuellen Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen, die die Vielfalt künstlerischer Ansätze und politischer Perspektiven des aktuellen arabischen Kinos widerspiegelt.

 

Die ALFILM Selection zeigt aktuelle Produktionen aus der arabischen Welt sowie der Diaspora und bietet Einblicke in moderne Filmstile und thematische Diskurse.

 

Das ALFILM Spotlight mit dem Titel Sudan: New Projections – Retrospectives, Revolutions, and Restorations wurde von einem Gastkurator konzipiert: Talal Afifi, Produzent und Leiter der Sudan Film Factory. Das Programm unterstreicht die kreative Kraft sudanesischer Filmschaffender trotz der Zerstörungen durch Krieg und den Zusammenbruch kultureller Infrastrukturen. Masterclasses, Podiumsdiskussionen, Filmgespräche, Sondervorführungen, die Kunstausstellung Sudan Retold sowie eine Party am 24. April im Festsaal Kreuzberg ergänzen das Filmprogramm und laden das Publikum zum direkten Austausch mit Filmschaffenden, Künstler*innen und Expert*innen ein.

 

 

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Berliner Senatsverwaltung für Kultur undGesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausMitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), derFriedrich-Ebert-Stiftung, des Rates der arabischen Botschafter sowie des Leibniz-Zentrums ModernerOrient (ZMO).