Raccoon-detection-using-YoloV8-and-Roboflow, Bild mit freundlicher Genehmigung von Sandeep Vishwakarma.

Technologien verändern nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Begriffe und Bilder, mit denen wir die Welt beschreiben. Was uns technisch machbar erscheint, was wir für Fortschritt halten und welche Entwicklungen wir als unvermeidlich akzeptieren, hängt wesentlich von diesen Erzählungen ab.

 

Gerade digitale Technologien greifen auffällig häufig auf Vorstellungen von Natur zurück. Wir surfen, bewegen uns in Streams und Ökosystemen, lagern Daten in einer Cloud. Software trägt die Namen von Tieren oder Landschaften, Apple Stores werden mit Bäumen begrünt. Auch Künstliche Intelligenz wird in einer Sprache beschrieben, die Eigenständigkeit und organische Entwicklung suggeriert: Modelle „lernen“, Agents „handeln“, Systeme „entwickeln“ sich.

 

So kann digitale Infrastruktur leicht wie etwas Gegebenes erscheinen, fast wie eine natürliche Umgebung, die einfach da ist und weiterwächst. Tatsächlich ist sie das Ergebnis wirtschaftlicher Interessen, politischer Entscheidungen und gesellschaftlicher Prioritäten. Sie ist alles andere als immateriell. Digitale Systeme beruhen auf Rechenzentren und Stromnetzen, auf Rohstoffabbau, Fabriken und Kabeln, auf Wasser, Boden und Flächen.

 

Technologie als Natur setzt an dieser Verschiebung an. Was passiert, wenn technische Systeme zunehmend als selbstverständlich, organisch oder alternativlos erscheinen, während Natur umgekehrt immer stärker in Kategorien von Messbarkeit, Steuerung und Optimierung gedacht wird? Was verändert sich, wenn Landschaften, Ressourcen und Ökosysteme vor allem danach betrachtet werden, welche Funktion sie für technologisches Wachstum erfüllen können?

 

Diese Fragen gewinnen gerade jetzt an Dringlichkeit. Während die Debatte um KI von enormen wirtschaftlichen Interessen und wachsender politischer Macht im Technologiesektor geprägt ist, verändert sich zugleich die Sprache der Umweltpolitik. Klima- und Naturschutz treten vielerorts hinter Fragen von Energieversorgung, Rohstoffzugang und Ressourcensicherung zurück. Zugleich wird über autoritäre und extrem rechte Verflechtungen im Technologiesektor und über Formen eines sogenannten „technologischen Autoritarismus“ diskutiert.

 

Die Veranstaltung bringt Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen und Praxisfeldern zusammen. Gemeinsam fragen wir, woher diese prägenden Erzählungen über Technologie kommen, was sie verdecken und wie sie technische Entwicklung ebenso prägen wie unsere Vorstellungen von ökologischer Zukunft.

 

Sprecher*innen: José-Carlos Mariategui, Noortje Marres und Annette Zimmermann.

 

Moderation: Stephanie Hankey und Marek Tuszynski.

 

What on Earth...? entsteht in Zusammenarbeit zwischen der Spore Initiative, Tactical Tech und Adrienne Russell von der University of Washington.